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Augenblick

29. Juli 2000 (ausgefallen)

Es sollte unsere größte und beste Party werden. Monatelang planten wir dafür.

Augenblick sollte alles bisher Dagewesene übertreffen: Eine riesige Party im Burggraben der Burg Frankenstein mit Tanzbereich und Chill-out mit Cocktailbar.
Mehr Sofas, mehr Teppichboden auf der Burg, riesige wunderschöne Deko, ein umfassendes Angebot an Getränken wie Cocktails oder Eiskaffee, warmes Essen.
Durchdachte Lichtinstallationen über das gesammte Gelände verteilt, Diaprojektionen, live gemischte Videoanimation.
Beste DJs im Tanzbereich und Chillout, teilweise unterstützt von Schlagzeug und Bongos.

So gut hatten wir noch keine Party organisiert. Parkservice, Sanitäter und Security waren gebucht, viele Helfer waren mobilisiert, die Promotion lief ausgezeichnet, alle Zeichen standen gut.
Fast alle.

Über eine Woche lang hatten wir Deko gebaut, danach hatten wir eine Woche lang auf der Burg aufgebaut.
Die Vorbereitungen waren fast abgeschlossen, als es zwei Tage vor der Veranstaltung zum ersten Mal stark regnete.

Auch zuvor war das Wetter schlecht gewesen, wir hatten zum Schutz die Verkaufsstände, die DJ-Bereiche, die Tanzfläche und das Chill-out mit Planen überdacht.

Dieses Unwetter jedoch ließ sich nicht abhalten. Einige Planen wurden abgerissen, viel schlimmer war jedoch was mit dem Boden geschah.

Der Burggraben, in dem die Party aus Lautstärkegründen stattfinden sollte, ist der tiefste Punkt der Burg. Das Regenwasser der gesammten Burg sammelt sich, um in reißenden Strömen in den Graben zu stürzen.

Die Wege verwandelten sich schnell in Bäche, die Tanzfläche wurde zu einem See aus Schlamm und Regenwasser. Alles war nass.

Verzweifelt kämpften wir dagegen an, versuchten, die Planen zu stützen, die Regenzuflüsse zu verstopfen und wenigstens einige Punkte der Burg zu schützen.

Es gelang uns nicht. Wir waren total durchnässt und unsere Schuhe waren voller Wasser, weil wir teilweise knöcheltief im Schlamm standen.
So fuhren wir nach Hause.

Aber wir gaben nicht auf. Der nächste Tag brachte stellenweise blauen Himmel und so hofften wir das Beste. Wir erneuerten die Planen und spannten sogar weitere.
Am Abend zog der Himmel zu und das Schreckliche nahm erneut seinen Lauf.

Sintflutartig ergoss sich ein gigantischer Wolkenbruch über die Burg und und machte sich daran, all das, was wir aufgebaut hatten, vom Schlamm verschlingen zu lassen.
Planen, Wege und weitere zwei Paar Schuhe fielen ihm zum Opfer.

In den trüben Pfützen ertanken unsere letzten Hoffnungen. Wut und Verzweiflung regneten auf uns herab.

Am nächsten Tag riefen wir am Frankfurter Flughafen an. Man sagte uns, dass ein vergleichbares Wetter wie an den beiden Tagen zuvor zu erwarten sei.

Daraufhin beschlossen wir, die Party abzusagen.
Wir informierten alle, die am Info-Service teilnehmen, am Abend waren wir auf der Burg, um uns bei denen, die es nicht erfahren hatten, zu entschuldigen.